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20.02.2018

VNDN plant deutsches Modellprojekt für elektronische Thermomatte

• Neue Methode zur Früherkennung von diabetischem Fußsyndrom aus den USA beugt Amputationen vor.
• Feldexperiment mit 150 Patienten aus niedersächsischen Schwerpunktpraxen soll bereits in 2018 beginnen.
• Rekordbeteiligung bei der 7. Fußtagung der Diabetes Akademie Niedersachsen in Hannover.


 

Die elektronische Fußmatte des US-Herstellers Podimetrics soll die Gefahr des diabetischen Fußsyndroms signifikant senken. Foto: Podimetrics
HAMELN (19. Februar 2018). Der Verband der niedergelassenen Diabetologen Niedersachsen e.V. (VNDN) strebt die schnelle Einführung der elektronischen Thermomatte des innovativen US-Herstellers Podimetrics in Deutschland an. Durch die Früherkennung von Geschwüren bereits im Entstehungsstadium soll die Diabetes-Folgeerkrankung „diabetisches Fußsyndrom“ signifikant eingedämmt werden. „Ein Feldexperiment mit 150 Patienten in unseren niedersächsischen Schwerpunktpraxen wird veritable und auf andere Bundesländer übertragbare Ergebnisse aufzeigen. Der Einsatz der Fußmatten wird vielen Diabetikern chronische Fußwunden und in letzter Konsequenz auch Amputationen ersparen. Mittelfristig werden zudem die Kosten für die Krankenkassen durch nicht mehr notwendige Wundbehandlungen oder Operationen sinken“, warb VNDN-Vorsitzender Dr. Andreas Lueg (Hameln) am Rande der 7. Fußtagung der Diabetes Akademie Niedersachsen (DAN) im Hannover Congress-Centrum (HCC) für die Innovation. Das diabetische Fußsyndrom zählt zu einer in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommenen und oft verharmlosten Erkrankung. Für die Patienten zieht sie häufig schwerwiegende Folgen wie Zehen-, Vorfuß-, Unterschenkel und Oberschenkelamputation sowie deutlich verringerte Lebenserwartung nach sich.

Während seines Impulsvortrags „Neues zum diabetischen Fußsyndrom“ zum Auftakt des Weiterbildungskongresses für Diabetologen und Wundmanagerinnen sprach sich Prof. Dr. med. Maximilian Spraul (Rheine) ebenfalls für die Einführung der elektronischen Thermomatte aus. Die Matte ist ein drahtloses Monitoring-System, das die Patienten täglich zu Hause nutzen. Es sammelt innerhalb von 20 Sekunden Fußtemperatur-Scans. Durch Online-Tools werden die Diabetologen automatisch informiert. Dort, wo Geschwüre drohen, zeigen sich bereits rund 35 Tage bevor erste Beschwerden auftreten erhöhte Temperaturen. Dadurch kann sehr früh und  prophylaktisch behandelt werden, um Wundbehandlungen und Amputationen zu minimieren.

Als Chefarzt der Medizinischen Klinik III als Interdisziplinäres Diabetes-Fuß-Zentrum des Mathias-Spital und Jakobi-Krankenhauses in Rheine zählt Spraul zu den führenden Diabetologen Deutschlands. „Wir stehen bereits seit längerer Zeit in engem Austausch mit Podimetrics. Sobald die für einen Einsatz in Europa erforderlichen Technikstandards erreicht sind, werden wir mit dem flächendeckenden Feldexperiment beginnen. Wir wollen die Fallstudien aus zwölf Monaten auswerten, um verlässliche Ergebnisse zu bekommen. Wir bauen dabei auf die Mithilfe unserer im VNDN organisierten Schwerpunktpraxen“, sagte Lueg weiter. Der VNDN übernimmt im Einsatz der elektronischen Fußmatten die Vorreiterrolle in Deutschland. Er bestätigte bezüglich des Projektes erste positive Gespräche mit der AOK Niedersachsen.

Mit 300 Teilnehmern verzeichnete der Kongress überdies eine neue Rekordbeteiligung. Erstmals konnten auch Diabetologen und Wundmanagerinnen aus von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen anerkannten diabetologischen Fußambulanzen teilnehmen, die nicht Mitglied im VNDN sind. Der Zuspruch war so groß, dass der Umzug vom bisherigen Tagungsort in das größere HCC nötig wurde. Mit den verbandsinternen Fortbildungen besitzt der VNDN  bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal. „Durch die Schulungen haben wir eine breite Qualitätsverbesserung der Schwerpunktpraxen in Niedersachsen erreicht. So können wir alle Diabetiker und Patienten mit diabetischen Fußsyndromen wohnungsnah auf hohem Niveau versorgen. Dieses Bottom-up-Prinzip ist für ein Flächenland wie Niedersachsen der bessere Weg als die Einrichtung von wenigen Fußzentren in Ballungsräumen“, meinte Lueg. Entsprechende Vereinbarungen wurden mit den Primärkassen in einer fachlichen Partnerschaft geschlossen.

Ziel der Fußtagungen ist es einerseits theoretisches Wissen zu vermitteln und andererseits Rückschlüsse für alle Teilnehmer durch praktische Fallbeispiele zu ermöglichen. Im Verlauf der 7. Fußtagung wurden fünf parallele Fallseminare und vier Workshops angeboten. Die Fußtagung ermöglichte zudem die bessere Vernetzung der Diabetologen Niedersachsens untereinander.


Die 7. Fußtagung der Diabetes Akademie Niedersachsen fand in Hannover unter Rekordbeteiligung statt. Foto: VNDN

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